Epilepsie und Kinderwunsch
Die Erfahrung im klinischen Alltag zeigt, dass bei epilepsiekranken Frauen mit Kinderwunsch oftmals große Unsicherheit herrscht. Schlagwörter wie vermehrte Komplikationen während der Schwangerschaft und erhöhtes Fehlbildungsrisiko stehen dabei oftmals im Mittelpunkt. Durch eine geplante Schwangerschaft besteht jedoch die Möglichkeit, Risiken dementsprechend zu minimieren bzw. ganz zu vermeiden – zusätzlich gilt eine permanente fachärztliche Betreuung von Seiten der Gynäkologen und Neurologen während der Schwangerschaft als unumgänglich.
Etwa 0,8 % aller schwangeren Frauen leiden an Epilepsie. Epilepsie ist eine chronische zerebrale (lat. Zerebrum = Gehirn) Erkrankung, die durch immer wieder kehrende, plötzlich auftretende Funktionsstörungen in Folge übermäßiger Entladungen der Nervenzellen hervorgerufen wird. Da für Kinder epilepsiekranker Mütter auf Grund der notwendigen Einnahme von Antiepileptika (Medikamente zur Behandlung von epileptischen Anfällen) ein leicht erhöhtes Fehlbildungsrisiko besteht (die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind eine schwerwiegende Missbildung aufweist liegt mit 2 bis 4 % nur geringfügig höher als bei der allgemeinen Bevölkerung, wo von einer möglichen Missbildungsrate von 0,5 bis 1 % ausgegangen wird), haben die Paare oftmals Angst, ihrem Kinderwunsch nachzugehen.
Tatsache ist, dass epileptische Anfälle während der Schwangerschaft dem Ungeborenen schaden können. Daher sollte die medikamentöse Therapie auch während der Schwangerschaft beibehalten werden. Einige Medikamente, die epileptischen Krampfanfällen effektiv entgegenwirken, weisen jedoch ein potentiell höheres teratogenes Risiko auf, d. h., sie können Missbildungen beim Kind verursachen. Dieses Risiko steigt mit der Anzahl der eingenommenen Medikamente, sodass eine Monotherapie erstrebenswert ist.
„Es ist somit unumgänglich, dass jene Frauen bereits bei der Planung einer Schwangerschaft mit ihrem behandelnden Neurologen über die Medikamenteneinnahme sprechen bzw. diese gegebenenfalls adaptieren. Zusätzlich gilt es zu erwähnen, dass die Einnahme der Pille die Symptomatik epileptischer Anfälle nicht beeinflusst. Die Gabe von einigen Antiepileptika kann jedoch die Sicherheit der Pille senken – in ca. 8 % der Fälle treten unerwünschte Schwangerschaften auf. Nicht zuletzt ein Grund mehr, die Wirkung der Medikamente vor, während und nach der Schwangerschaft regelmäßig kontrollieren zu lassen, da es durch die hormonellen Umstellungen während und unmittelbar nach einer Schwangerschaft zu ungewohnten Veränderungen kommen kann. Auch engmaschige Ultraschallkontrollen besonders in den ersten Schwangerschaftsmonaten sollten bei schwangeren Frauen mit Epilepsie zur Routine zählen“, ergänzt Dr. Monika Nagler, OÄ an der Abteilung für Neurologie am LKH Steyr.
Um das Fehlbildungsrisiko auf Grund der Einnahme von Antiepileptika zu minimieren bzw. herabzusetzen, empfehlen die Experten eine vermehrte Aufnahme von Folsäure. Gerade die ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft sind für die Anlage und Entwicklung der Organe des Kindes und dadurch auch für die Entstehung von Missbildungen von großer Bedeutung. Deshalb ist es wichtig, die Folsäure bereits Wochen bis Monate vor Eintritt einer Schwangerschaft einzunehmen, wobei eine tägliche Dosis von 5 mg bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels als empfehlenswert gilt.
Dr. Nagler vom LKH Steyr über ihre Erfahrungen: „Unsere Erfahrungen zeigen uns, dass bei einem Großteil der Frauen mit Epilepsie die Schwangerschaft, die Geburt, das Wochenbett und die Neugeborenenzeit normal verlaufen. Epilepsie ist daher kein Grund, auf Kinder zu verzichten – auch das Stillen ist für epilepsiekranke Frauen durchaus möglich.“