Jahrelange Verdauungsprobleme – schnelle und sichere Diagnose mittels Atemtest
Permanente Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfälle – Symptome, mit denen unzählige Menschen konfrontiert sind. Grund für diese scheinbar willkürlich auftretenden Beschwerden ist in vielen Fällen eine unzureichende Verdauung der Laktose (= Milchzucker) im Dünndarm. Laktose ist eine Zuckerart, die ursprünglich in der Milch vorkommt. In der modernen Lebensmittelindustrie wird Laktose aus technologischen Gründen jedoch auch in Nahrungsmittel eingebracht, in denen erstmals überhaupt keine Milchbestandteile zu vermuten sind (z. B. Wurstwaren, Pizza, Süßspeisen, Fertigsaucen, Eiscreme etc.).
Weltweit können etwa 70 % im Erwachsenenalter Milchzucker im Dünndarm nicht richtig zerlegen – in Österreich liegt der Mangel eines Spaltenzyms für den Verzehr von milchzuckerhaltigen Nahrungsmitteln vermutlich bei 20 % der Bevölkerung. Die Beschwerden treten unterschiedlich rasch nach dem Verzehr von milchzuckerhältigen Nahrungsmitteln auf. „Auf Grund des fehlenden Spaltenzyms gelangt der Milchzucker unverdaut vom Dünn- in den Dickdarm. Die Dickdarmkeime bilden daraus anschließend Gase wie CO2 (verursacht Blähungen) und Fettsäuren (verursachen Durchfälle). Der zugleich krankhaft vermehrt gebildete Wasserstoff ( H2 ) wird mit der Atmung abgegeben. Dieser Wasserstoff kann problemlos in der Atemluft gemessen werden. Neben weitreichenden Störungen im Verdauungstrakt können mitunter psychische Veränderungen oder schwere Osteoporose die Folge einer Laktose-Unverträglichkeit sein“, skizziert OA Dr. Erwin Rezanka vom Zentrallabor am LKH Steyr die Hintergründe einer Laktose-Unverträglichkeit.
Die große Problematik dieser Milchzucker-Unverträglichkeit liegt in der Diagnostik, denn in den seltensten Fällen wird auf Anhieb die richtige Diagnose gestellt. Stattdessen werden meist belastende Untersuchungen wie beispielsweise Magenspiegelungen durchgeführt. Das Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik am Steyrer Krankenhaus bietet Betroffenen hingegen die Untersuchungstechnik mittels Atemluft, wobei eine mögliche Laktose-Unverträglichkeit schnell, schmerzlos und treffsicher festgestellt werden kann.
Die praktische Durchführung dieses Atemtests sieht vor, dass der Patient zuerst auf nüchternem Magen (Voraussetzung: Zwölf Stunden Nüchternheit, keine üppigen Speisen am Vorabend, keine kohlensäurehältigen Getränke und kein Zigarettenkonsum, keine Antibiotikatherapie oder Dickdarmspiegelung 4 Wochen vor der Untersuchung ) eine Probe seiner Atemluft abgibt. Dieser Leerwert bildet sozusagen die Ausgangslage. Im Anschluss daran muss der Patient ein Glas Wasser mit gelöster Laktose (schmeckt ein wenig süßlich) zu sich nehmen. Nun werden in zehnminütigen Abständen erneut Atemproben genommen–insgesamt über einen Zeitraum von etwa zwei Stunden. Das Ergebnis wird dem Patienten sofort mitgeteilt. Bei einer gesicherten Milchzucker-Unverträglichkeit sind gezielte Beratung und eine laktose – reduzierte Ernährung meist die einzig notwendigen Maßnahmen, die mitunter jahrelang bestehenden, belastenden Symptome und potentiellen Folgeerkrankungen entscheiden zu bessern
Steyr, 28. April 2004