Chlamydien – die heimliche Epidemie greift auch in Österreich um sich
Sexuell übertragbare Krankheiten sind trotz der massiven Aufklärungsbemühungen rund um die Immunschwäche-Krankheit Aids nach wie vor ein Tabuthema. Nicht so gefährlich wie Aids, aber trotzdem hoch ansteckend ist die Chlamydien-Infektion, von der bis zu 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung betroffen sein könnten.
„Chlamydien sind Bakterien, die beim Geschlechtsverkehr, aber auch bei der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden können“, erklärt Prim. Univ.Prof. DDr. Hermann Enzelsberger, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
am Landes-Krankenhaus Steyr. Gefährlich ist die Infektion vor allem deshalb, weil sie bei Frauen völlig symptomlos verlaufen kann und deshalb bei zwei von drei Betroffenen meist unentdeckt bleibt, trotzdem aber großen Schaden anrichtet: „Durch die Infektion kommt es zu einer Unterleibsentzündung, die unbehandelt zur Sterilität führen kann“, weiß der Mediziner.
Obwohl es kaum gesicherte Daten gibt, geht man davon aus, dass in Österreich jede fünfte Frau von einer Chlamydien-Infektion betroffen ist. Besonders alarmierend ist für Dr. Enzelsberger die Zunahme der Infektionen bei Jugendlichen: „Offenbar lässt sich das nachlassende Sicherheitsbewusstsein beim Sexualverkehr, das ja auch Aids-Initiativen beklagen, ebenso bei den Chlamydien-Infektionen beobachten. Dabei wäre es so einfach, sich mit einem Kondom zu schützen.“
Wird die Infektion rasch erkannt, lässt sich das Problem schnell aus der Welt schaffen und verursacht auch keine Folgeschäden: „Nach der Diagnose durch einen Abstrich vom Gebärmutterhals und der Harnröhrenöffnung wird die Infektion mit einer Antibiotikagabe über 14 Tage behandelt. Um eine `Ping-pong-Infektion’ zu vermeiden, sollte bei einer erkannten Infektion der Partner immer mittherapiert werden“ so Dr. Enzelsberger.
Jetzt versucht man die Chlamydien-Infektion mit Aufklärung in den Griff zu bekommen. In Einrichtungen wie der „First-Love-Ambulanz“ werden Jugendliche inzwischen auch über die Gefahren der Chlamydien informiert, trotzdem wissen Teenager noch viel zu wenig über diese Krankheit, die bereits epidemiologische Formen annimmt.