Wenn seelische Probleme Kinder körperlich krank machen , hilft Kinderpsychosomatik
Körperliche Beschwerden, die organisch nicht erklärbar sind, Essprobleme, Verdauungsprobleme, Schlafstörungen – die Palette der typischen Anzeichen für eine psychosomatische Erkrankung ist breit. Andere Kinder verhalten sich auffällig – sind schwer in die Kindergartengruppe zu integrieren, stören den Unterricht, finden keine Freunde oder ziehen sich emotional zurück. OA Dr. Markus Zegermacher, Facharzt an der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde des Landes-Krankenhauses Steyr, weiß, wie in solchen Fällen geholfen werden kann.
„In der Kinderpsychosomatik betrachten wir kindliche Gesundheit und Krankheit ganzheitlich“, sagt OA Zegermacher. Gesundheit und Krankheit resultiert aus dem Wechselspiel von körperlichen, seelischen, geistigen, sozialen und kulturellen Faktoren sowie aus der Interaktion des sich entwickelnden Kindes mit der Umwelt. „Das heißt: Wir machen uns ein Bild von unseren jungen Patientinnen und Patienten selbst, von ihren Fähigkeiten, Fertigkeiten, Bedürfnissen, ihren Schwächen und Einschränkungen“, erklärt der Mediziner. Eine große Rolle spielen auch die Lebensbereiche Familie, Kindergarten, Schule, Freizeit oder Freundeskreis. Aus all diesen Faktoren gilt es herauszufinden, was die weitere persönliche Entwicklung eines Kindes fördert und was hemmt oder sogar krank macht.
„Bei Patientinnen und Patienten, die bereits an der Kinderabteilung in Behandlung sind, können wir als Spezialisten für Kinderpsychosomatik beratend und unterstützend beigezogen werden“, sagt OA Zegermacher. Häufig kommt es auch vor, dass sich besorgte Eltern, PädagogInnen oder sogar die Jugendlichen von sich aus, an die Abteilung wenden. „Nach einem ambulanten Erstgespräch oder einem stationären Konsil bieten wir bei entsprechender Notwendigkeit stationäre Behandlungszyklen an“, erklärt der Facharzt. Diese dauern durchschnittlich drei Wochen. Drei bis vier Kinder, die altersmäßig gut zusammenpassen, werden in Kleingruppen zusammengefasst. Am Programm stehen klassische medizinische Untersuchungen genauso wie psychologische Tests, Einzel- und Gruppentherapien, Schulbesuche, Übungen in Alltagsfertigkeiten oder Freizeitaktivitäten. OA Zegermacher: „Die Arbeit mit den Eltern und den beteiligten Institutionen finden parallel statt.“
Untersuchungsergebnisse, Informationen, Beobachtungen, Wahrnehmungen, Meinungen und Ideen werden zu einem individuellen Krankheitskonzept zusammengetragen, aus dem sich wiederum die Behandlungsschritte ergeben. „Diese werden mit den Beteiligten abgestimmt und gemeinsam umgesetzt“, erklärt OA Zegermacher. Eltern, die den Verdacht haben, dass ihr Kind an einer psychosomatischen Erkrankung leidet, können telefonisch Kontakt mit der leitenden PsychologIn oder der/dem verantwortlichen Fachärztin/Facharzt aufnehmen. Diese vergeben ambulante Ersttermine.
