High-Tech in Pillengröße: PatientInnen schlucken Kamera, die über 50.000 Bilder aus dem Darm liefert
Sie ist gerade einmal so groß wie eine Antibiotika-Tablette und leistet Erstaunliches: Die sogenannte Pill-Cam wird zur Kapselendoskopie eingesetzt, um Erkrankungen des Dünndarms abzuklären. Die Pille, die in Wirklichkeit eine Mikrochip-Kamera mit Batterie, Sender und Lichtquelle ist, liefert auf ihrem Weg durch den Darm zwischen 50.000 und 60.000 Bilder. Eine zuverlässige Diagnose ist damit möglich. Das LKH Steyr setzt diese schmerzfreie Art der Untersuchung erfolgreich ein.

„Lange Zeit war die komplette endoskopische Untersuchung des Dünndarms ein schwer lösbares Problem. Mit Hilfe der Kapselendoskopie bekommen wir nun auch Bilder von jenen Bereichen des Dünndarms, die endoskopisch nicht zu erreichen wären“, sagt OA Dr. Helmut Marzy von der Abteilung für Innere Medizin am Landes-Krankenhaus Steyr. Der Vorgang gestaltet sich einfach: Vor der Untersuchung wird eine Darmreinigung durchgeführt. Danach wird die Pill-Cam von den PatientInnen mit etwas Wasser geschluckt, durchwandert in achtstündiger Untersuchungszeit den Darm und wird im Anschluss auf natürlichem Wege innerhalb von ein bis drei Tagen wieder ausgeschieden.

„Die Patientin oder der Patient kann sich während der Untersuchung völlig frei bewegen. Vier bis fünf Stunden nach der Einnahme der Kamera kann sogar ein leichtes Mittagessen gegessen werden“, erklärt OA Marzy. Die Kamera macht zwei Bilder pro Sekunde. Diese werden per Funk auf einen tragbaren Recorder übertragen, den die PatientInnen mit einem Gürtel am Körper tragen. Eine Neuheit des Systems, das am LKH Steyr verwendet wird, ist die Möglichkeit, dass die ÄrztInnen jederzeit mit einem Echtzeitmonitor die Lage der Kapsel und die dabei gemachten Bilder kontrolliert werden können. Die Auswertung der großen Datenmenge dauert ein bis zwei Stunden und erfordert eine langjährige gastrointestinale Erfahrung der befundenden ÄrztInnen.

„Der größte Vorteil der Kapsel besteht darin, dass diese Untersuchung keine schädliche Strahlenbelastung mit sich bringt. Die Untersuchung ist für die Patientin oder den Patienten völlig schmerzfrei und liefert doch aussagekräftige scharfe Bilder der Schleimhaut im Magendarmtrakt“, erläutert der Oberarzt die Vorteile der Kapselendoskopie. Die Einsatzbereiche der Kapselendoskopie reichen von der Abklärung unklarer Blutungen aus dem Darmbereich bis zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn) und seltenen Dünndarmtumoren.