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Biochirurgen versorgen Wunden

Hinter dem klingenden Namen "Biochirurgen" verbirgt sich der Einsatz von Fliegenlarven zur Wundreinigung. In England und Israel werden Fliegenlarven bereits routinemäßig eingesetzt; in Österreich wurde diese Behandlungsmethode, deren Ursprung in den 30er Jahren liegt und in den Lazaretten Anwendung gefunden hat, wieder neu entdeckt.

DGKS Ingeborg Schmid

Wer von uns ist nicht schon vor schmerzhaften, übelriechenden, schmierig belegten Wunden gestanden und hätte sich eine schnelle Lösung dieses Zustandes gewünscht. Genau für solche Wunden ist der Einsatz von Fliegenlarven gerechtfertigt, nämlich dort, wo mit konventionellen Lösungen kein Erfolg zu erzielen ist.

Das LKH Steyr bezieht seine Fliegenlarven vom Parasitologischen Institut der Universität Hohenheim/BRD. Die Eier der Lucilia sericata werden dort sterilisiert und die Larven zum Schlüpfen gebracht. Je 200 bis 250 von ihnen werden in sterile Eprouvetten verpackt und verschickt. Die Larven haben eine Größe von rund 2 mm, wenn sie bei uns in Steyr ankommen. Vor dem Aufbringen der Larven muss die Wunde von allen Salbenresten gereinigt werden. Dann wird um den Wundrand ein doppelseitiges Klebeband angebracht, die Larven werden aus der Eprouvette in die Wunde geschwemmt und mittels dichtem Gewebe am Auswandern gehindert. Normalerweise verbleiben sie 2-4 Tage in der Wunde, dann haben sie eine Größe von bis zu 1,5 cm erreicht und werden mittels NaCl-Lösung entfernt. Bei großflächigen Wunden sind mehrere aufeinanderfolgende Generationen nötig. In der Regel genügen ein bis zwei Einsätze und die Wunde zeigt sich wieder schön rosa und frei von Belegen. Der Weg ist nun wieder frei für Wundauflagen aller Art.

Das Augenmerk von Ingeborg Schmid, die am LKH Steyr für das Wundmanagement zuständig ist, liegt außerdem in der professionellen Versorgung aller Problemwunden unter Berücksichtigung des Aufwand-Kosten-Nutzen-Faktors der einzelnen verwendeten Produkte. Schmid wird auf Wunsch des behandelnden Arztes zugezogen. Beim ersten Patientenkontakt versucht sie eine ganzheitliche Sicht aller die Wundheilung betreffenden Faktoren wie Anamnese, Allergien auf Verbandstoffe, Ernährung oder im Fall von Ulcus cruris bezüglich Hautpflege oder Kompression zu erfahren. Sie handelt eigenverantwortlich, da ihr der Arzt die Versorgung überträgt. Sie dokumentiert das Ausmaß des Defektes und den Wundzustand und empfiehlt dem Pflegepersonal eine entsprechende Vorgehensweise. Bei komplizierten Fällen übernimmt sie persönlich die tägliche Versorgung, ansonsten werden die Patienten von der jeweiligen Abteilung versorgt, wobei Schmid regelmäßig die Verbandwechsel kontrolliert.