Übergewicht bei Kindern
Die Anzahl der übergewichtigen und adipösen (=sehr stark übergewichtigen) Kinder ist bei uns in Österreich, wie überall in Europa und in Amerika, in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Ca. 40% der Kinder, die im Alter von 7 Jahren adipös sind, sind es auch im Erwachsenenalter. Das Ausmaß der Fettleibigkeit bei Kindern wird anhand von Gewichtspercentilenkurven und dem BMI (=kg Körpergewicht/Körperlänge zum Quadrat) beurteilt. Zusätzlich kann man den Fettanteil durch Bestimmung des Taillen- und Hüftumfanges, durch Körperfaltenmessung und die bioelektrische Impedanzanalyse abschätzen.
Über die Ursache der Adipositas bestehen noch hitzige Diskussionen - sehr wahrscheinlich ist eine gewisse familiäre Veranlagung. Ca. 1/3 der Eltern adipöser Kinder sind auch adipös, die Hälfte ist zumindest übergewichtig. Zudem spielt sicherlich die Veränderung der Lebensgewohnheiten in den letzten Jahren eine große Rolle, wie stundenlanges Sitzen in der Schule, vor dem Fernseher oder Computer usw. und somit wenig körperliche Betätigung, sowie ein extrem großes Nahrungsangebot (fettreiche Fastfood-Snacks und fett- und zuckerreiche Schlec kereien) in unterschiedlicher farbenfroher, Kinder ansprechender Aufmachung (Werbung) sind eine große Verlockung. Selten sind hormonelle Störungen oder Stoffwechselkrankheiten die Ursache für die Fettleibigkeit.
Die Vorbildwirkung der Eltern und der Lebensstil hat bedeutenden Einfluss auf das spätere Ernährungs- und Essverhalten der Kinder. Essen schon die Eltern fettreiche Kost, viele Süßigkeiten und wenig Obst und Gemüse, erhalten die Kinder frühzeitig Süßigkeiten zur Belohnung oder Tröstung, so werden die Kinder bereits früh in diese Richtung geprägt.
Betreiben die Eltern wenig Sport und fahren jeden Meter mit dem Auto, übernehmen dies auch häufig die Kinder. Vorbeugen ist besser als behandeln! Deshalb ist die beste Prophylaxe eine gute Vorbildwirkung der Eltern, die dem Kind eine gesunde Ernährung (fettarm, reich an komplexen Kohlehydraten, Obst und Gemüse) vorleben.
Wichtig ist auch viel Bewegung an der frischen Luft. Ist es bereits zu einer deutlichen Übergewichtigkeit gekommen, sollte möglichst bald eingegriffen werden. Unbehandelt kann es zu einer Reihe von Krankheiten, wie Bluthochdruck, erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten, Nieren- und Gallensteine, Krankheiten des Haltungs- und Bewegungsapparates sowie zur Zuckerkrankheit (DM II) kommen. Adipositas entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Nahrungsaufnahme (Energiezufuhr) und Energieverbrauch.
Keinesfalls sollten radikale Crashdiäten mit extrem niedriger Kalorienzufuhr durchgeführt werden, denn so schnell wie es vorher zur Gewichtsabnahme gekommen ist, sind die mühsam abgespeckten Kilos in der Phase späterer normaler Ernährung wieder auf den Hüften, ja meist sogar noch einige Kilos mehr (Jojo-Effekt). Vernünftig ist keine strenge Diät durchzuführen, sondern eine langsame Ernährungsumstellung zu beginnen. Umsteigen auf eine fettarme ballaststoffreiche Mischkost (max.30% Fett als Nahrungsanteil) mit komplexen Kohlehydraten , Vollwertgetreideprodukten, wie Müsli, Vollwertreis und –nudeln, Kartoffeln, kleine Portionen mageres Fleisch und Wurst (viel verstecktes Fett, sichtbares Fett entfernen), magere Käsesorten, fettarme (max.1%ige) Milch- und Joghurtprodukte. Weiter sollten mindestens 5 Portionen Obst, Gemüse und Salat täglich verzehrt werden .
Reines Fett zur Nahrungszubereitung und als Brotaufstriche sollte stark reduziert werden. Einfach ungesättigte Fettsäuren wie Raps- und Olivenöl sollen bevorzugt werden. Die Süßigkeiten sollten nur auf eine kleine Schleckerei täglich reduziert werden. Die Aufteilung in mehrere, aber dafür kleinere Mahlzeiten täglich ist günstig. Die letzte Mahlzeit sollte nicht zu spät angesetzt werden. Reichliche Zufuhr von Flüssigkeit in Form von kalorienfreien Getränken ist wichtig. Diese Umstellung erfolgt sicherlich erst allmählich und langsam. Zu Beginn sind natürlich viele Fehler möglich, die immer wieder korrigiert werden sollten. Eine langsame Gewichtsabnahme von einem ½ kg pro Woche ist anzustreben, so dass der erzielte Gewichtsverlust auch später gehalten werden kann. Nur eine dauerhafte Ernährungsumstellung in Kombination mit ausreichend Sport führt zu einer langfristigen Gewichtsreduktion. Denn durch Sport erreicht man eine Erhöhung des Energieverbrauchs, eine Reduktion des Fettanteils des Körpers, einen entsprechenden Muskelaufbau und weiters eine Grundumsatzerhöhung. Das Training sollte im Fatburningbereich auf nicht zu hohem Leistungsniveau erfolgen, um wirklich Fett zu verbrennen und nicht nur Kohlehydrate. Günstig sind Ausdauersportarten wie Radfahren, Wandern ,Walken und Schwimmen usw., zusätzliche gymnastische Übungen sollen die Muskulatur kräftigen. Zu diesem Thema gibt es zahlreiche Beratungsstellen, eine Möglichkeit in Steyr ist die Adipositasambulanz der Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde des LKH Steyr, wo Termine zur Erstberatung und weiteren Begleitung telefonisch vereinbart werden können.
Verfasst von Dr. Margit Kallinger, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde
